Barkeeper
Interview
Julia Schär
Styx Bar

Ein Sazerac für Sam Keller?

Veröffentlicht am Sonntag, 18. August 2019 von Valérie Ziegler.

Anlässlich der Competition von Humbel, Spezialitätenbrennerei aus dem Aargau, heissen am Sonntagabend, 18. August, diverse Bars vier deutsche Bartender willkommen. Zu glauben, die hätten mehr auf dem Kasten als unsere lokalen Mixologen, ist jedoch Humbug. Dass Basel stolz sein darf auf seine Talente, beweist auch Julia Schär. Ein kurzes Interview.

Julia, am Montag findet die dritte Humbel-Stork-Trophy statt. Mit welchem Drink gehst du an den Start?

Morgen wird in Stetten (AG) erstmals der Trauben- und Trester-Brand XT vorgestellt. An der Competition erwartet uns eine Blackbox Edition. Das heisst, wir bekommen neben dem XT gewisse Produkte zur Verfügung gestellt, aus welchen wir innerhalb einer begrenzten Zeit einen Drink kreieren sollen.


In Basel sind die besten Schweizer Bartender zuhause darauf darf man stolz sein. In welcher Bar geniesst du deinen Feierabend-Cocktail am liebsten?

Da wir in der Styx Bar meist erst nach 5 Uhr Feierabend haben, bleibt die Auswahl beschränkt. Im Renée haben wir das tolle Privileg, auch um diese Zeit noch einen Drink bestellen zu dürfen. Wenn ich früher fertig bin, zieht es mich jedoch direkt in die Blaupause.


Du hast an der diesjährigen Basler Bartender Competition nicht nur den zweiten Platz abgeräumt, sondern auch den Publikumspreis eingeheimst. Was war das für ein Gefühl, als quasi frischgebackene Bartenderin mit wenig Erfahrung?

Es war unglaublich! Alleine schon dabei zu sein, war ein riesen Ding für mich. Ich hatte sogar etwas Schiss, schliesslich war’s meine erste Competition.

So dauerte es auch circa eine Woche, bis ich realisiert habe, dass ich Zweite geworden bin.

Ich kann mich erinnern, wie ich im Vorfeld noch zu meinem Mentor meinte, dass ich mich als Newcomerin einfach nicht blamieren will.

Und plötzlich stand ich da, zwischen all den tollen, erfahrenen Barkeepern, und hielt gleich zwei Pokale in den Händen. Unglaublich!



Wie hast du deine Liebe fürs Mixen entdeckt und was fasziniert dich besonders daran?

Angefangen habe ich als Barback / Gläserwäscherin. Als Gast hat es mich schon immer fasziniert, zuzuschauen, was die Barkeeper alles in ein Glas zaubern können. So hat’s mich schnell auch selbst an die Bar gezogen. Und sofort gepackt: die Vielseitigkeit der Geschmäcker, die unendlichen Möglichkeiten, die Geschichten hinter einer Mixtur ... Ich finde das alles so spannend und komplex, dass ich mir gesagt habe: Wow, genau das will ich auch können! Seit diesem Zeitpunkt gehört das Mixen von feinen Drinks zu mir.


Mal ehrlich: Die teilweise unangebrachten Sprüche, die man sich hinter der Bar anhören muss, gehen doch mächtig auf die Eier. Wie gehst du damit um?

Da ich eine sehr offene und schlagfertige Frau bin, schaffe ich es meist, den Spruch mit etwas Charme in eine weniger blöde oder sexistische Äusserung umzuwandeln. Spätestens dann ist das Gegenüber entwaffnet und merkt, dass die Worte nicht angebracht waren.


Welcher Spruch nervt am meisten?

«Machsch mr aber e Guete, gäll», oder: «Mach noch mehr Alk rein!» Das nervt!


Umgekehrt kann einem ein mies gelaunter, gestresster Bartender auch schnell mal die Lust am Drink verderben. Wie bewahrst du stets einen kühlen Kopf?

Ich muss zugeben, das ist nicht immer einfach. In manchen Nächten fällt es leichter als in anderen. Es hilft jedoch, mir immer wieder zu sagen, dass die Gäste hier sind, um Spass und eine geile Zeit zu haben. Aus dem selben Grund bin auch ich hier – also, «let’s do it!»

Und geht dieser Grundsatz mal vergessen, erinnern mich meine zwei supertollen Boys bei der Arbeit im richtigen Moment daran, schenken mir ein Lachen oder eine Umarmung. Das hilft am Ende immer.


Letzte Frage: Welchem Basler würdest du gerne mal einen individuellen Drink mixen (und ihn dann gemeinsam mit ihm schlürfen, versteht sich)?

Sam Keller. Ich finde es unglaublich spanend, was er alles auf die Beine stellt und somit für die Kunst und Kultur in Basel macht.

Spontan würde ich ihm glaub einen Sazerac oder Mint Julep servieren, und natürlich gerne mit ihm anstossen und philosophieren.




Humbel-Stork-Trophy

Am Montag, 19. August 2019, findet in Stetten die dritte Stork-Trophy der Aargauer Spezialitätenbrennerei Humbel statt. Eine Competition, an der sich auch unsere lokalen Mixologen messen werden.

Am Vorabend präsentieren dir vier deutsche Bartender ihre leckeren Kreationen in diversen Basler Bars:


Das Viertel

18.30 bis 20.30 Uhr

Gastbarkeeper: Tobias Nerb von der Paletti Bar in Regensburg


Angels’ Share / Quarterdeck

20 bis 22 Uhr

Gastbarkeeper: Shirley Bleisteiner von The Chug Club in Hamburg


Grand Hotel Les Trois Rois

21 bis 23 Uhr

Gastbarkeeper: Sven Goller & Marvin Woidt vom Schwarzen Schaf in Bamberg


humbel.ch