Proben zum «Sound of Sculpture» in der Fondation Beyeler.
Das Sinfonieorchester Basel bringt Skulpturen zum Klingen. Im neuen Online-Format «Sound of Sculpture» kannst du durch die Ausstellung «Rodin/Arp» in der Fondation Beyeler streifen und dein Herz mit Kunst und Kultur füllen.

Was macht ein Orchester in konzertfernen Zeiten? Es erfindet sich neu, spinnt virtuelle Ideen und initiiert spannenden Kooperationen. So geschehen beim Sinfonieorchester Basel, das gemeinsam mit der Fondation Beyeler das Online-Format «Sound of Sculpture» entwickelt hat. In einem 30-minütigen Video spielen Mitglieder des Sinfonieorchesters Basel mitten in der Ausstellung Rodin/Arp Werke von Bach, Britten oder Saint-Saëns und beleuchten so «die wechselseitige Beziehung zwischen Raum, Skulptur und Musik», wie es in der Medienmitteilung heisst. Tönt abstrakt, ist in Tat und Wahrheit aber ein ganz weltlicher Genuss für alle Sinne.

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Wie es zu der Kooperation kam? Hans-Georg Hofmann, künstlerischer Direktor des Sinfonieorchesters Basel, erzählt: «Wir leben seit drei Monaten in einem Ausnahmezustand. Als Orchester ist es uns zwar erlaubt zu proben, Konzerte aufzunehmen und zu streamen, aber wir dürfen kein Publikum empfangen. Bis vor wenigen Tagen befand sich die Fondation Beyeler in einer vergleichbaren Situation und so entstand die Idee, gemeinsam Bildende Kunst, Musik und Film in Beziehung zu bringen. Mitte Februar haben wir der Fondation unsere Idee mitgeteilt, die sofort positiv aufgenommen wurde.»

 

Nahezu an einem einzigen Tag wurden die Filmaufnahmen im Museum gemacht. Die Auswahl der eingespielten Musikstücke hat Hans-Georg Hofmann getroffen. «Raphael Bouvier, der Kurator der Ausstellung, führte mich im Vorfeld durch die einzelnen Räume und berichtete mir zum Beispiel davon, dass sich Rodin in seiner Villa bei Paris regelmässig am Morgen von Musikern Werke von Bach und anderen Komponisten vorspielen liess», erzählt er. So kam es zum Beispiel zu einer Cello Suite von Bach, die zum «Denker» von Rodin gespielt wird. 

 

«Ein zweiter Bezugspunkt waren Themen der Ausstellungsräume wie Metamorphosen oder Höllenfeuer, bei denen sich synästhetische Verknüpfungen zu Werken von Benjamin Britten und Frank Bridge ergaben», so Hans-Georg Hofmann weiter. «Es gab aber auch Vorschläge von Musikern aus dem Orchester, wie das Eingangsstück für Trompete solo von dem schwedischen Komponisten Stanley Friedman. Ausserdem hat unser Solopaukist Domenico Melchiorre mit seinen Kollegen aus dem Schlagzeugregister exklusiv Intermezzi komponiert und eingespielt, welche die einzelnen Ausstellungsräume und Objekte miteinander verbinden.»

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Entstanden ist ein erhellender Kulturbeitrag für all jene, die im kulturdürren Alltag dringend Seelenbalsam benötigen. Wie schön, dass das Sinfonieorchester Basel nach mehr als einem Jahr den Mut nicht verliert und immer wieder Wege findet, die Musik zu uns nach Hause zu bringen. «Entscheidend ist das Live-Erlebnis», ist sich Hans-Georg Hofmann sicher. «Wir müssen alles dransetzen, dass dieses gemeinsame Erleben von Musik uns als (Stadt-) Gesellschaft erhalten bleibt. Sonst verlieren wir nicht nur das kulturelle Vermächtnis der Musikstadt Basel, sondern auch die Fähigkeiten zu Empathie und gemeinsamen sozialen Erlebnissen.» 

 

Dem ist nichts hinzuzufügen, ausser: Klicke auf den Videolink, stell den Sound an – laut, am besten mit guten Kopfhörern für den vollumfänglichen Genuss! – und fülle den Bildschirm, die Ohren, die Augen und vor allem das Herz mit Kunst und Kultur.